Recife in Pernambuko

Ach ey du hier? Die Ventilatoren über mir geben mir das wohlige Gefühl, das sonst nur Flugzeugturbinen auslösen können. Die Mücken versuche ich mittlerweile mehr zu ignorieren als zu vertreiben und mal ehrlich, wie schlimm kann Dengue-Fieber schon sein. Meine erste Fahrt in Recife hat sich angefühlt, wie eine Verfolgungsjagd - nur im Fiat und ohne sichtbare Verfolger. Die Stadt sah aus wie eine postapokalyptische Metropole und mein sichtbar nervöser Uberfahrer, der aus dem Fiat alles rausgeholt hat was möglich war, hat mir nicht die Sicherheit gegeben, die ich gerne hätte. Der hohe mit Stacheldraht beschmückte Zaun meines Hostels hingegen schon. Die erste Nacht war wohl nicht nie entspannteste, die ich bis jetzt hatte, aber in meiner Erfahrung ist alles neue am Anfang etwas Angsteinflößend. Turns out eine postapokalyptische Szenerie ist bei Tag garnicht mal so unschön. Den Charme in zerstörten Häusern zu finden ist wohl nicht ganz sympathisch aber es gefällt mir wirklich besser als die grauen Vorortstraßen meiner Heimattadt. Sind wohl beides Orte die mir persöhnlich den Tot vermitteln nur auf eine fundamental unterschiedliche Art.

Die kurze Phase von “War das wirklich eine gute Entscheidung?” habe ich aber nach zwei Tagen schon hinter mir und jetzt scheint mir alles mehr wie ein noch zu lösendes Rätsel. Ich mag Rätsel. Plötzlich sind die normalen Dinge des Alltags wieder eine richtige Aufgabe.

So bin ich wieder an einem Ort, an dem mein Name so schlecht verstanden wird, dass ich ausversehen ein Bit aus Friends rekreiert habe. Beim Frühstück habe ich meinen Namen zur Bestätigung gesagt, woraufhin ich wieder nach meinem Namen gefragt wurde. Die Fragende Person hat meinen Namen nur als Geräusch einer nicht Portugiesisch sprechenden Person eingeordnet und daraufhin andere Gefragt, ob Sie übersetzen können. Daraufhin habe ich nochmal meinen Namen gesagt. Sie hat kurz verwirrt geguckt und nochmal lauter um Hilfe gebeten. Woraufhin ich die vollstädige Portugieische Antwort geeben musste, in der ich erklärt habe, dass es sich bei dem Geräusch um meinen Namen handelt.

Eine Simkarte zu bekommen schien am Anfang sehr machbar. Mittlerweile bin ich bei meiner vierten Karte - diese scheint zu funktionieren! Ich habe drei neue Freunde bei diesem Unterfangen gemacht und vermutlich mehr Körperkontakt mit meinem Simkartenverkäufer gehabt als in dem letzten Monat in Deutschland. Für mich eine Umstellung aber nach anfänglichem Zögern bin ich jetzt ready jegliches Gute mit kurzem Körperkontakt zu bestätigen. War ich kurz etwas iritiert als sein Kopf auf meiner Schulter lag? Naja ja.

Am meisten beschäftigt mich natürlich die Sprache. Nicht schnell und klug antworten zu können kann sehr frustrierend sein(oder überhaupt). In einer meiner ersten Konversation hatte ich solche Probleme mit Telefonfachsprache, dass ich kurz weggezoned bin und gute 20 Sekunde ne Wand angestarrt habe, während Sie auf meine Antwort gewartet hat. In Anbetracht der doch etwas komischen Situation habe ich nach längerem tiefen Durchatmen einen Neustart gewagt, welcher mir positiv Misslungen ist. Drei Tage später scheint das schon lange her. Heute hatte ich eine volle Konversation für 30 Minuten und war sehr happy (yey).

In meinem Hostel gibt es jeden morgen ein Frühtück, welches von einer unglaublich liebenswerten älteren Frau zubereitet wird. SIE HÄLT DEN BESTEN SMALLTALK DEN ICH JE GEHÖRT HABE. Sorry fürs schreien. Es ist teilweise das brasilianische Portugiesch, teilweise die Mentalität und vermutlich auch einfach Sie. Ich kann nicht immer Teil davon sein aber die Art und Weise wie Sie jeden morgen über einfach alles mit den random Personen in diesem Raum spricht ist inspirierend. Sie alleine reicht mir als Grund aus diese Sprache zu Perfektionieren.

Darf ich vorstellen: Vitor. An meinem dritten Tag war ich tief in die Wohnungssuche vertieft. Natürlich habe ich in einem Redditspost diverse ungute Geschichten lesen dürfen. Jemand wurde ausgeraubt nah bei der Uni. Jemand wurde dort tot aufgefunden. Jemand traut sich dort nicht mehr raus und rennt nur nach Hause. Geschwächt von der sich zu spitzenden Realiät habe ich Zuflucht in meinem 10er Hostelzimmer gesucht. Gemütlich auf meinen seicht gelben Lacken (weil hier nur kalt Gewaschen wird) habe ich meine Füße in die Matratze über mir gedrückt und versucht meine innere Panik weg zu rationalisieren. In einem von Panik induziertem Moment habe ich die zwei Meter weiterliegende Person angesprochen.
“Oi, tudo bem - esta äh estou a proucurar um apartemento aqui - voce sabe que Varzea e seguro?”. Das ist mein erster richtiger Versuch eine Unterhaltung auf Portugiesisch zu starten.

…Work in Progress…